Startschuss für das Projekt "Digitalisierung und Heimat"

Seite drucken
 
Kommunen sollen auch im digitalen Zeitalter Heimat bleiben
 
Neun Städte und Gemeinden wollen im Modellprojekt „Digitalisierung und Heimat“ unter Beweis stellen, dass Digitalisierung Menschen verbinden kann. Sie werden in den nächsten zwei Jahren an der Stärkung des Heimatgefühls ihrer Bürgerinnen und Bürger arbeiten. Digitale Maßnahmen werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Unterstützung erhalten sie vom Gemeindetag Baden-Württemberg und seinem Kooperationspartner Prof. Dr. Klaus Koziol. Das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg fördert das Gesamtprojekt mit bis
zu einer Million Euro im Zuge der Digitalisierungsstrategie digital@bw. Der stv. Ministerpräsident und Digitalisierungsminister Thomas Strobl und der Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg Roger Kehle übergaben den ausgewählten Kommunen am 24. September 2019 in Stuttgart ihre Förderbescheide.
 
Überzeugen konnten die Fachjury unter Beteiligung des Digitalisierungsministeriums Amtzell, Bräunlingen, Empfingen, Hohentengen, Igersheim, Leutenbach, Schlier, Zimmern ob Rottweil und der Gemeindeverwaltungsverband Limpurger Land bestehend aus den Kommunen Gaildorf, Fichtenberg, Oberrot, Sulzbach-Laufen und Gschwend.
 
"Wer von zuhause wegzieht, kann dank der Digitalisierung den Kontakt in die alte Heimat halten. Wer hinzuzieht, soll über den digitalen Zugang leichter in der realen Gemeinschaft vor Ort aufgenommen werden. Mit der Förderung des Projekts "Digitalisierung und Heimat" wollen wir den Menschen zeigen, wie beides, Heimat und Digitalisierung, miteinander zusammenhängt. Denn: Der digitale Wandel beginnt genau dort, wo die Menschen leben und arbeiten, wo sie daheim sind – in den Kommunen. Sie sind das Fundament unserer Gesellschaft, der Gemeinschaft vor Ort
aber auch digital", erklärte Minister Thomas Strobl. Für den Gemeindetag Baden-Württemberg ist das Modellprojekt der nächste logische Schritt seiner bisherigen Aktivitäten zur Unterstützung des digitalen Wandels in den Städten und Gemeinden.
 
"Es gibt bereits viele nützliche digitale Anwendungen, die den Alltag der Menschen vor Ort erleichtern. Akzeptanz dafür werden wir aber nur erhalten, wenn die Menschen diese digitalen Lösungen auch innerlich annehmen. Für uns war deshalb klar, dass wir ein Modellprojekt anstoßen müssen, das die Identifikation mit der Gemeinde und der örtlichen Gemeinschaft stärkt. Nur wer in seiner analogen Heimat einen sicheren Hafen findet, wird die Potenziale der digitalen und gefühlt oft unsicheren Welt voll ausschöpfen", führte Roger Kehle zur Motivation des Gemeindetags aus. Baden-Württemberg nimmt bei der Digitalisierung bundesweit eine Spitzenposition ein. Die 1.101 Städte und Gemeinden und die 35 Landkreise haben dazu einen maßgeblichen Beitrag geleistet. In den Kommunen wird Digitalisierung anhand von konkreten Anwendungen wie Bürgerbeteiligungs-Apps oder digitalen Mängelmeldern für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und erlebbar.
 
Bei vielen Menschen regen sich jedoch auch Widerstände gegen diese Entwicklungen. Digitalisierung wird nicht von allen ausschließlich mit Chancen und Vorteilen verknüpft, sondern sorgt auch für Verunsicherung und Zukunftsängste. Die Stärkung des individuellen und kollektiven Sicherheitsgefühls der Menschen kann dem entgegenwirken. Die eigene Stadt oder Gemeinde, der Heimatort, gewinnt damit an Bedeutung. In der Heimat fühlt sich der Mensch sicher. Die Bedeutung von Heimat wird insbesondere im gemeindlichen und privaten Umfeld erfahren und erlernt. Gleichzeitig darf Heimat jedoch nicht ausschließlich außerhalb der digitalen Welt stattfinden. Es müssen auch diejenigen Menschen erreicht werden, die sich bereits in Online-Communities zuhause fühlen. Heimat muss im digitalen Zeitalter neu erfunden werden. Das Modellprojekt „Digitalisierung und Heimat“ setzt an dieser Schnittstelle an. Digitalisierung braucht Heimat und Heimat braucht Digitalisierung.
 
Allgemeine Projektinhalte und Projektziele
 
„Die Gemeinde ist zu dem Ort geworden, in dem ich wohne, aber die Gemeinde ist nicht mehr meine Heimat“, so oder so ähnlich denken viele Bürgerinnen und Bürger über ihre Gemeinde. In Zeiten von Facebook, Whats App, Instagram und SnapChat finden die Menschen zunehmend ihr soziales Netz und ihre Lebenswelten im Netz. Mit dem Projektvorhaben "Digitalisierung und Heimat" hat der Gemeindetag ein Projekt gestartet, das die Bedeutung der Gemeinde als Ort der realen Begegnung stärkt.
 
Ziel des Projekts ist es, den sozialen Zusammenhalt unter den Bürgerinnen und Bürgern zu stärken und die emotionale Bindung an die reale Gemeinde zu revitalisieren. Jede Bürgerin und jeder Bürger soll sich mit seiner Gemeinde identifizieren können. Die Gemeinde soll auch in einer digitalen Welt Heimat bleiben.
 
Umsetzung des Projekts vor Ort in den Städten und Gemeinden 
 
Über Befragungen von Bürgern, Verwaltungsmitarbeitern sowie lokalen Unternehmen soll die Identität der Gemeinde herausgearbeitet werden. Ein sich daraus ergebendes aktuelles  Stimmungsbild wird das  Verhältnis  der  Bürgerinnen  und  Bürger  zu  ihrer Gemeinde  wiedergeben und als  Ausgangspunkt  zur  Entwicklung  der Gemeindeidentität dienen.
 
Mithilfe eines individuellen Maßnahmenpools soll schließlich die  neue Identität vor Ort verankert und so für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar werden. Die digital-mediale Umsetzung kann bspw. über die gemeindliche Webseite, die Bürger-App oder Social-Media-Kanäle erfolgen. Denkbar ist auch ein neues Motto,  ein  Imagefilm,  ein  neues  Logo,  eine  Imagebroschüre  oder  die  Neuausrichtung  der gemeindlichen Öffentlichkeitsarbeit.
 
 
Viele Teilenehmer am Interessensbekundungsverfahren
 
Bis zum 04.06.2018 hatten Mitgliedsstädte und -gemeinden die Möglichkeit, ihr Interesse an einer Teilnahme am Projekt zu bekunden. 
 
Aus den eingegangenen Interessensbekundungen hat die Fachjury unter Beteiligung des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg geeignete Städte und Gemeinden ausgewählt. Dabei hat die Jury ganz besonders auf eine  regionale  Ausgewogenheit  sowie unterschiedliche Einwohnergrößenklassen geachtet.
Nach erfolgter Auswahl potentieller Projektstädte und -gemeinden hat der Gemeindetag in einem weiteren Schritt einen gemeinsamen Projektantrag ausgearbeitet und diesen zur Prüfung beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg eingereicht. Dem Ministerium oblag sodann die finale Entscheidung über eine Förderung des Projektvorhabens.
 
Hintergrundinformation zum Modellprojekt „Digitalisierung und Heimat
 
Das Modellprojekt „Digitalisierung und Heimat“ wird vom Gemeindetag BadenWürttemberg in Kooperation mit Prof. Dr. Klaus Koziol unter dem Dach der Zukunftsinitiative „Städte und Gemeinden 4.0 -Future communities“ durchgeführt. Prof. Dr. Klaus Koziol ist Professor für Social Marketing an der Katholischen Hochschule Freiburg und Urheber des Projekts. Er übernimmt die wissenschaftliche Begleitung für den gesamten Umsetzungszeitraum.
 
Mit einer Million Euro fördert das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration das Projekt „Digitalisierung und Heimat“ im Zuge der landesweiten und ressortübergreifenden Digitalisierungsstrategie digital@bw.
 
Das Projekt wird in zwei Phasen über einen Zeitraum von zwei Jahren umgesetzt. In Phase 1 des Modellprojekts sollen über Bürgerbefragungen die identitätsgebenden charakteristischen Besonderheiten der einzelnen Gemeinden herausgearbeitet und diese Identität als lebendige Geschichte erzählt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung sollen in einer zweiten Phase konkrete insbesondere digitale Maßnahmen zur Sichtbarmachung der Identität vor Ort umgesetzt werden.
 
Downloads: