Positionspapier der Mangel an Arbeitskräften gefährdet den Standort BW

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Baden-Württemberg steuert auf einen branchenübergreifenden Arbeitskräftemangel zu. In den kommenden 15 Jahren droht im Südwesten allein demografiebedingt ein Verlust von knapp 800.000 potenziellen Arbeitskräften. Auch Städten und Gemeinden wird sich dieser massiv auswirken. Aus Sicht des Gemeindetags Baden-Württemberg braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan, um diesem branchenübergreifenden Mangel entgegenzuwirken.

Der Arbeitskräftemangel in Baden-Württemberg ist in nahezu allen Branchen bereits deutlich zu spüren. Seitenlange Stellenanzeigen und immer mehr zeitweise geschlossene Betriebe unterstreichen dies in bedrückender Weise. „Auch den Städten und Gemeinden fehlen massiv Arbeits- und Fachkräfte, in der Verwaltung, im pädagogischen Bereich, in den technischen Berufen und auch im IT-Fach. Es gibt so gut wie kein kommunales Tätigkeitsfeld, das aktuell keine Personalgewinnungssorgen hätte“, so Gemeindetagspräsident Steffen Jäger.

Präsidium und Landesvorstand des Gemeindetags haben sich intensiv mit dem sich weiter verschärfenden Arbeitskräftemangel beschäftigt, die Situation analysiert und ein Positionspapier verabschiedet. Stellt man die Geburten der Baby-Boomer-Generation 1957-1972 den Geburten der Jahrgänge 2000 – 2015 gegenüber, ist festzustellen: Allein durch diesen demografischen Umstand verliert der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg in den nächsten Jahren ein Potenzial von rund 800.000 Personen. Hinzu kommt die Tatsache, dass in den Jahren 1985 bis 2020 mehr als zwei Millionen Menschen nach Baden-Württemberg zugezogen sind. Diejenigen davon, die am Erwerbsleben teilnehmen und folglich ebenfalls in den nächsten Jahren in den Ruhestand eintreten, vergrößern die demografische Lücke noch weiter.

„Angesichts dieser Dimension droht sich der Arbeitskräftemangel in Baden-Württemberg zur ernsthaften Gefahr für die volkswirtschaftliche Entwicklung in unserem Land auszuwachsen. Denn ohne die erforderlichen Arbeitskräfte ist das Gelingen unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Deshalb gilt es, in einer umfassenden politischen Diskussion ein Maßnahmenpaket zur Überwindung des Mangels sowie die notwendigen Schritte festzulegen und zu organisieren.“

Aus Sicht des Gemeindetags sollten im Rahmen einer solchen Diskussion folgende Maßnahmen intensiv erörtert werden:

  • Die Arbeitsmarkt-Integration von Menschen, die aktuell arbeitslos gemeldet sind.
  • Die zielgerichtete Intensivierung einer qualifizierten Zuwanderung in den Arbeitsmarkt.
  • Die Erhöhung der Arbeitszeitvolumina Teilzeitbeschäftigter.
  • Das gezielte Ansprechen des Fachkräftepotenzials der „stillen Arbeitsmarkt-Reserve“.
  • Anreize zur Verlängerung des Erwerbslebens und flexiblere Gestaltung des Renteneintrittsalters.
  • Noch stärkere Orientierung des Systems Schule an den Bedarfen des Arbeitsmarktes.

 

Ergänzend sollen Maßnahmen zum sinnvollen Einsatz der bestehenden Ressourcen ergriffen und damit eine Übergangsorganisation in Zeiten des Mangels möglich werden:

  • Überregulierung reduzieren und dadurch Kapazitäten für volkswirtschaftliche Produktivität freimachen
  • Digitalisierung und künstliche Intelligenz konsequent nutzen.
  • Standards flexibilisieren, unbürokratischen Quereinstieg ermöglichen.

Zusätzlich zu einer solch grundsätzlichen und branchenübergreifenden Strategie wurden auch die Möglichkeiten der Kommunen erörtert.

„Die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden und der öffentliche Dienst im Allgemeinen analysieren ihre Handlungsoptionen zur Fachkräftebindung und -gewinnung und nutzen diese jeweils örtlich angepasst. Dies kann vom Herausstellen der Attraktivität des Arbeitgebers, einer zukunftsorientierten Personalplanung und -entwicklung, der Nutzung der digitalen Möglichkeiten bis hin zur Kommune als Marke und der Synergieeffekte einer interkommunalen Zusammenarbeit reichen.“

Jäger weiter: „Gerade in den aktuellen Krisen erleben wir, wie wichtig die Städte und Gemeinden für das Gelingen unserer Gesellschaft sind. Wer eine sinnvolle Tätigkeit sucht, ist in den Städten und Gemeinden daher gut aufgehoben und herzlich willkommen.