Das Bildungssystem

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Quelle: S. Hofschlaeger, Pixelio.de

Foto: S. Hofschlaeger / Pixelio.de

Nichts ist so beständig wie die Veränderung! Dies gilt auch und gerade für die baden-württembergische Bildungs- und Schulpolitik des letzten Jahrzehnts.

Das Bildungssystem in Baden-Württemberg braucht Verlässlichkeit

Seit dem Jahr 2012 sind in Baden-Württemberg 209 Gemeinschaftsschulen in Betrieb gegangen, zum Schuljahr 2015/2016 wurden vom Kultusministerium weitere 62 Gemeinschaftsschulen genehmigt. Alle Standorte befinden sich damit noch im Aufbau. Der weitere Ausbau dieser Schulart unter der engen Rahmenbedingung der Mindestschülerzahl ist klar erklärtes Ziel der Landesregierung.

Das Bildungssystem in Baden-Württemberg unterlag in den zurückliegenden Jahren zahlreichen und grundlegenden strukturellen Veränderungen. Alle Reformen verfolgten dabei das Ziel, den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler und die Bildungsgerechtigkeit unter einem vertretbaren Ressourceneinsatz zu verbessern. Sie wurden also aus bester Zielsetzung heraus angestoßen.

Genannt seien nur die mehrfache Weiterentwicklung der Werkrealschule, die Einführung der Gemeinschaftsschule, die gesetzliche Verankerung der Ganztagesgrundschulen, die Einführung der schulischen Inklusion und die Weiterentwicklung der Realschulen.

Schon allein die Summe der auf den Weg gebrachten Neuerungen führte dazu, dass viele Maßnahmen noch gar nicht die Zeit hatten, tatsächlich ihre endgültige Wirkung zu entfalten ehe schon die nächste Reform begonnen wurde.

Das Ergebnis ist eine zwischenzeitlich verunsicherte Eltern- und Schülerschaft, die jeder Weiterentwicklung des Bildungssystems kritisch gegenübersteht. Gleichzeitig hat die hohe Schlagzahl an Veränderungen auch die Lehrer massiv gefordert.

Es überrascht vor diesem Hintergrund nicht, dass auch die Bildungswissenschaft das größte Problem im baden-württembergischen Bildungssystem nicht in dessen Struktur, sondern in deren stetiger Veränderung und der damit fehlenden Verlässlichkeit für Schüler, Eltern, Lehrer und Wirtschaft sieht.

Es braucht dringend eine Verstetigung der Bildungspolitik auf Grundlage eines langfristigen und tragfähigen Konsenses: Ein Konsens getragen von Eltern, Schülern, Lehrern, Wirtschaft und Schulträgern mit hoher Entscheidungskompetenz für die auf örtlicher Ebene Handelnden. Denn diese wissen meist am besten, was für ihre Schule richtig und wichtig ist.

Die Bildung unserer Kinder darf nicht weiter zum landespolitischen Zankapfel verkommen.

Der Gemeindetag hat als Impuls für einen solchen Konsens und unter Würdigung der bildungspolitischen Notwendigkeiten des Flächenlandes Baden-Württemberg in einem intensiven Beteiligungsprozess ein eigenes Positionspapier erarbeitet, welche die Basis für eine nochmals grundlegende politische Diskussion bieten soll.