Social Bookmarks oder Soziale Lesezeichen sind dynamische Lesezeichen, die im Internet von verschiedenen Benutzern durch gemeinsames Indexieren erschlossen und mittels eines RSS-Feeds (1) bereitgestellt werden. Im folgenden Artikel soll geklärt werden: Was sind Social Bookmarks und welche Implikationen und Möglichkeiten ergeben sich für eine Nutzung auf Internetseiten der öffentlichen Hand.

Social Bookmarks oder Soziale Lesezeichen sind dynamische Internet-Lesezeichen, die mit Hilfe eines Browsers von verschiedenen Benutzern durch gemeinschaftliches, verteiltes Indexieren erschlossen werden. Sogenannte Social Bookmark Netzwerke (Bsp.: Mister Wong, Technorati, Del.ic.us) können neben dem Sammeln von Links und Nachrichtenmeldungen auch zum Sammeln von Podcasts (2) oder Videos konzipiert sein.


Die Nutzer von Social Bookmark-Portalen können bei allen Anbietern eigene Lesezeichen hinzufügen und bearbeiten, diese kommentieren sowie mit Kategorien oder Schlagwörtern versehen. Ebenso haben sie Einblick in die Lesezeichen anderer Nutzer, die in die eigene Sammlung übernommen werden können. Social Bookmarks lassen sich je nach Dienst nach Kennwörtern (engl. tag), Tag-Kombinationen, Kategorien oder Benutzern auflisten. Zudem gibt es in vielen Fällen eine Auflistung der von allen Nutzern zuletzt gespeicherten Lesezeichen auf der Startseite sowie eine Liste der beliebtesten Links. (3)

Einige Anbieter von Social Bookmarks bieten eine Auflistung thematisch verwandter Links bzw. verwandter Tags an. Zudem können Links bewertet oder kommentiert werden. Jede dieser Linklisten lässt sich mit Hilfe eines RSS-Feeds verfolgen.

Sinn dieser gemeinschaftlich gesammelten Bookmarks ist das Auffinden von tendenziell interessanten, populären Informationen im unübersichtlichen Internet – und zwar dezentral, durch die Nutzer selbst und quasi per Schwarmintelligenz. Dieses Prinzip steht in klarem Gegensatz zu zentral geführten Verzeichnissen wie Yahoo oder Web.de. Bei Yahoo entscheidet ein Gremium von Mitarbeitern, welche Links in den Index aufgenommen werden.

Außerdem findet bei Yahoo oder Web.de in der Regel kein so genanntes “Ranking” (Popularitätsbewertung eines Eintrags) der Bookmarks in Echtzeit statt. Ganz anders bei Social Bookmarks: Hier entscheiden die Nutzer, welches Bookmark im Verzeichnis ganz oben aufgeführt wird: je mehr Nutzer die gleiche Internetseite oder den gleichen Artikel per Mausklick in die jeweiligen Portale eintragen, desto weiter oben steht dieser Eintrag innerhalb des Social Bookmark-Portales.

So kann es passieren, dass bis dato völlig unbekannte Internetseiten innerhalb von Stunden und Tagen eine weltweite Popularität erfahren, wenn die Gemeinde der Internetnutzer dort – nach der Meinung der Masse der Nutzer – Interessantes finden und diese mit hoher Frequenz auf den diversen Social Bookmark Portalen ablegen.

Damit Seiten auf diesen sozialen Portalen abgelegt werden können, ist es für die Webcommunity allerdings sehr hilfreich, wenn innerhalb der Internetseite – z.B. dem Internetauftritt einer Gemeinde – entsprechende Bookmark-Links zu den bekanntesten Social Bookmark Portalen vorgehalten werden. Dies ist ein einfach zu implementierendes Mittel, welches die Popularität der eigenen Seiten erhöhen hilft und vergleichsweise kaum Kosten verursacht.

Ein weiter Aspekt, der Social Bookmarks interessant macht: Große Suchmaschinen wie Google, MSN oder Alltheweb nutzen das Ranking der Social Bookmark Portale und lassen es z.T. in ihre Algorithmen einfließen. Dies bedeutet, dass Einträge von Internetseiten in diesen Social Bookmark-Portalen indirekt auch den Pagerank und die Auffindbarkeit innerhalb von Suchmaschinen beeinflussen.

Damit wird das Anbieten von Social-Bookmark-Funktionen für das effektive verbreiten einer Internetseite zunehmend bedeutsamer und wird künftig als eines von verschiedenen “Popularisierungswerkzeugen” nicht mehr wegzudenken sein.


Az. 048.04


Fußnoten
1 Rich Site Summary, Technik zum Abonnieren von Webseiten-Inhalten, vgl. BWGZ - Die Gemeinde, Ausgabe 02/2006 vom 31. Januar 2006, Seite 76


2 Podcast bezeichnet das Produzieren und Anbieten von Mediendateien über das Internet.


3 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Bookmark



Der Gemeindetag Baden-Württemberg bietet künftig am unteren Ende seiner Webseiten eine so genannte „Social Bookmark“-Funktion an. Damit soll langfristig wichtigen und populären Inhalten der Gemeindetagsseite zu einem differenzierterem Ranking – auch innerhalb der Suchmaschinen – verholfen werden.




Zum Weiterbrowsen und -lesen:

Tony Hammond, Timo Hannay, Ben Lund und Joanna Scott: Social Bookmarking Tools (I): A General Review. In: D-Lib Magazine 11, Nr. 4, 2005


Ben Lund, Tony Hammond, Martin Flack und Timo Hannay: Social Bookmarking Tools (II): A Case Study - Connotea. In:
D-Lib Magazine 11, Nr. 4, 2005


Sascha A. Carlin: Schlagwortvergabe durch Nutzende (Tagging) als Hilfsmittel zur Suche im Web. Ansatz, Modelle, Realisierungen. August 2006


Links zum Thema Social Bookmarks im Open Directory Project:
http://www.dmoz.org/World/Deutsch/Co...ial_Bookmarks/



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Von Falk Herrmann
Der Autor ist Geschäftsführender Gesellschafter der Firma NeuroSyn.