I. ALLGEMEINE ENTWICKLUNG DER STIFTUNG
Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg wurde am 28. November 1988 vom Land Baden-Württemberg mit der satzungsgemäßen Aufgabe, die deutsche Muttersprache und Kultur in Ungarn zu fördern, gegründet. Das Land Baden-Württemberg hatte 1954 die Patenschaft über die Donauschwaben und ihre kulturellen Werte übernommen.
Die Stiftung blickt heute auf eine über 10-jährige Fördertätigkeit zurück. Ungarn war in den achtziger Jahren der einzige Staat des Siedlungsgebiets der Donauschwaben und im ehemaligen Ostblock, der sich einigermaßen einer intensiveren kulturellen und kommunalen Zusammenarbeit geöffnet hatte. Unter den damaligen Umständen wurde die Stiftung zum notwendigen, Vertrauen schaffenden Instrument zur Öffnung von Möglichkeiten und Perspektiven zwischenmenschlicher Kontakte allgemein und darüber hinaus zu den dort lebenden Deutschen. Die Stiftung wurde zum Schlüssel der damals kräftig angestrebten Städte- und Gemeindepartnerschaften und zu einem wichtigen Partner in den Anfängen neuer und freier Artikulationsmöglichkeiten der in Ungarn lebenden deutschen Minderheit.
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Die historischen Ereignisse Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre in Mittel- und Südosteuropa haben Institutionen und Organisationen, die mit ihrer Arbeit die Folgen des Kalten Krieges und der damit verbundenen Spaltung Europas für Mensch, Gesellschaft und Kultur zu überwinden versuchten, auf den Prüfstand gestellt. Die rechtzeitige Neudefinition ihrer Ziele, die Anpassung ihrer Arbeit an die sich eröffnenden europäischen Perspektiven und Chancen waren unbedingt erforderlich, um den Anforderungen der Zeit zu entsprechen.
Die Landesregierung von Baden-Württemberg und die Gremien der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg waren sich dessen voll bewusst. Ihre Entscheidung, den Förderbereich der Stiftung zum 01. Januar 1995 auf Rumänien und das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu erweitern, wurde nicht nur durch die Logik kulturell-historisch bedingter Zusammenhänge, sondern auch durch die damit verbundene politische, ökonomische und kulturelle Entwicklung Europas bestätigt. Die Erweiterung der Stiftung wurde gleichzeitig zum Anlass, die Ziele und Aufgaben im Sinne europäischer Werte und Ideale entsprechend neu zu definieren.
Die heutige satzungsgemäße Aufgabe der Stiftung ist, die deutsche Sprache und Kultur sowie das Gemeinschaftswesen der Deutschen in Ungarn, Rumänien und im ehemaligen Jugoslawien im Rahmen des zusammenwachsenden staatenübergreifenden Europas zu unterstützen und zu fördern. Ein sich daraus ergebender Grundsatz der Tätigkeit der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg ist, möglichst viele Mittel in den Fördergebieten einzusetzen, die deutsche Kultur dort in die Vielfalt jeweiliger Kulturlandschaften harmonisch zu integrieren und nicht auszusondern. Die eingesetzten Mittel sollen nach Möglichkeit allen in örtlicher Gemeinschaft lebenden Bürgerinnen und Bürgern über die Brücke der jeweiligen deutschen Volksgruppen im Sinne der Pflege der deutschen Sprache, Kultur und Tradition zugute kommen. Die Hilfsbereitschaft der Stiftung darf auf keinen Fall als Bestätigung einer Anspruchsmentalität, als selbstverständliche Erfüllung eines Pflichtaktes verstanden werden. Sie muss als Anstoß und Hilfe zur Selbsthilfe angesehen werden, die
auch in Zeiten eingeschränkter Mittel in Deutschland als notwendig betrachtet werden.
Mit Blick auf die gegenwärtige Globalisierung des Wirtschafts- und Güterverkehrs ist die Förderung der deutschen Sprache nicht nur für das Fortbestehen deutscher Kultur und deren Tradition in den genannten Gebieten von größter Bedeutung. Es liegt auch im Interesse Deutschlands, ein deutschlandfreundliches Klima in den jeweiligen Ländern zu schaffen und zu pflegen. Im Unterschied zu anderen Regionen Europas und der Welt ist es ein unumstrittener Vorteil, dass in diesen Ländern, in denen die Stiftung ihren Förderbereich hat, eine langjährige Tradition sowie die dazu gehörenden Strukturen zur Pflege und Weiterpflege deutscher Sprache und Kultur weiterhin bestehen. Sie sind im Bewusstsein der Bevölkerung, sowohl der dort lebenden deutschen Minderheit als auch der jeweiligen Staatsnation, kräftig verankert. Gerade dieser Förderweg deutscher Kulturpolitik in den jeweiligen Zielgebieten über die dort lebende deutsche Minderheit ist das, was die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg von Anfang an kennzeichnet und ihre Existenz auch gegenüber anderen bestehenden Förderinstitutionen deutscher Kultur im Ausland begründet.
Der Gedanke einer Beschränkung der Fördermaßnahmen ausschließlich auf die deutsche Minderheit wird damit nicht nur als kontraproduktiv, sondern auch als realitätsfremd betrachtet. Das Einbeziehen der jeweiligen Staatsnation in die verschiedenen Aktivitäten und Fördermaßnahmen ist von großer Bedeutung und somit ein ausdrücklich erklärtes Ziel der Förderpolitik der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg. Es ist nicht allein die Tatsache, dass eine soziale Schieflage zwischen den dort lebenden Deutschstämmigen und der jeweiligen Mehrheitsnation entstehen könnte, die das friedliche Zusammenleben gefährden und den Sinn der Förderung auf Spiel setzen könnte, sondern viel mehr die nüchterne Einsicht, dass Fortbestehen und Weiterpflege der deutschen Sprache und Kultur in den Fördergebieten unter den heutigen historisch bedingten Umständen eindeutig auf die Mit- und Weiterpflege und das Interesse der jeweiligen Staatsnation angewiesen ist.
Im Laufe der Jahre ist die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg in Ungarn bereits zu einer selbstverständlichen Komponente in der Förderung der Pflege der deutschen Sprache und Kultur geworden. Es ist die Bestätigung einer engagierten und professionellen Arbeit. Die Tätigkeit der Stiftung ist in das breitgefächerte Kooperationsgeflecht zwischen Baden-Württemberg und Ungarn fest eingebettet. In einem Bericht der ungarischen Regierung an das ungarische Parlament vom 1997 heißt es: "Am intensivsten sind die Kontakte zum Bundesland Baden-Württemberg, das nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten aus Ungarn ausgesiedelten Deutschen aufgenommen und die Patenschaft über die Donauschwaben übernommen hat."
Während in Rumänien die Bedingungen und insbesondere die notwendige Infrastruktur zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur nicht zerstört wurden und trotz Auswanderung der Rumäniendeutschen die Neigung zur Pflege der deutschsprachigen Tradition weiterhin vorhanden war, musste sich in Ungarn einiges ändern, damit auf die noch teilweise vorhandene Grundlage neu aufgebaut werden konnte.
Die Rückkehr zur Demokratie und zur Freiheit hat ohne Zweifel trotz historisch bedingtem Verlust der Muttersprache den Ungarndeutschen ein neues Selbstbewusstsein und den Wunsch nach Behauptung gebracht. Da die mit dem Bekenntnis zum deutschen Kulturkreis verbundenen Ängste faktisch verschwunden sind, konnte sich auch der Neuaufbau ungarndeutscher Kulturvereine und Organisationen zufriedenstellend entwickeln. Die diesbezüglich gezielte Förderpolitik der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg hat dazu ihren Beitrag geleistet.
Ob es mit Blick auf das Fortbestehen einer deutschen Minderheit in Ungarn unter den gegebenen Umständen kurz vor zwölf oder schon nach zwölf gewesen ist, das wird die Zukunft zeigen. Man muss akzeptieren, dass mindestens zwei Generationen der Ungarndeutschen ihre Muttersprache nicht pflegen konnten, dass dadurch die Um-
gangssprache der Ungarndeutschen Ungarisch ist und wohl auch bleiben wird. Von einer möglichen Wiedergeburt im Sinne der sprachlichen und kulturellen Identität der Vorkriegszeit zu sprechen, ist somit unter diesen Umständen eher unrealistisch. Die vor kurzem erfolgte Feststellung, dass kaum eine der vor den Wahlen im Oktober 1998 bestehenden 163 deutschen Minderheitenselbstverwaltungen (örtliche Interessenvertretungen der Ungarndeutschen) in der Lage ist, ihre Sitzungen in deutscher Sprache abzuhalten, geschweige denn zu protokollieren, ist kein Paradoxon, sondern die logische Folge historischer Entwicklung. Darum erscheint es realistischer, von einer erhofften, zukünftigen Zweisprachigkeit der heutigen Jugend zu sprechen, der im Rahmen sog. deutschsprachiger Nationalitätenschulen die deutsche Sprache eher in Form intensivierten Fremdsprachenunterrichts vermittelt wird.
Von einem allgemeinen, flächendeckenden deutschsprachigen Unterricht in Ungarn kann leider nach wie vor noch nicht die Rede sein. So wird in Ungarn heute die Pflege der deutschen Sprache und die Schaffung der damit verbundenen notwendigen Infrastruktur im Kindergarten- und Schulbereich, das Einbeziehen möglichst vieler Fächer in deutschsprachigen Unterricht sowie die dazu notwendige flächendeckende Sicherung gutqualifizierter Lehrkräfte für die deutschen Nationalitätenschulen als dringend notwendig betrachtet und entsprechend verstärkt angegangen. Die ersten diesbezüglichen Erfolge, die sich im Rahmen der allgemeinen Bildungsreform auch im deutschsprachigen Nationalitätenunterricht eindeutig bemerkbar machen, sprechen für das Engagement der Verantwortlichen.
Es ist heute mit neuen Organisationsstrukturen und Möglichkeiten eine weitere existentielle Aufgabe der deutschen Minderheit und ihrer offiziellen Vertretungen, ihren kulturellen Artikulationsrahmen auch für die deutschstämmige Kulturelite attraktiv zu machen. Die Bemühungen, die kulturelle Autonomie der Minderheiten zu sichern, könnten den Vertretern der Ungarndeutschen den Anlass dazu bieten, die Arbeit der deutschen Minderheit im Bereich der Kultur und des Unterrichtswesens zu professionalisieren, ihren Blick, ohne die Wurzeln im ländlichen Raum zu verlassen, auf die Gegenwartskultur und in die Zukunft zu richten und ein langfristig tragendes, solides Konzept zu erarbeiten. Dies kann jedoch nur in einem finanziell unabhängigen und langfristig gesicherten Rahmen geschehen.
Das deutliche Bekenntnis Rumäniens zur Demokratie, zu Europa und seinen ideellen Werten haben die Arbeit der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg im Sinne der konsequenten Umsetzung satzungsgemäßer Aufgaben in diesem Gebiet erleichtert. Die Stiftung konnte die deutschfreundliche Einstellung und Tradition in Rumänien nutzen und sich innerhalb von sechs Jahren auch dort als eine anerkannte Förderorganisation etablieren.
Auch in Rumänien ist das Fortbestehen eines breitgestreuten soliden deutschsprachigen Schulunterrichts Bedingung und Pfeiler zukünftiger Weiterentwicklung und Pflege deutscher Kultur und deren Tradition. Nach der massiven Auswanderung in den achtziger Jahren und Anfang der neunziger Jahre haben die deutschsprachigen Schulen nur dann noch eine Zukunft, wenn sie sich weiterhin als Eliteschulen behaupten können. Das seit Jahrhunderten bestehende deutschsprachige Schulsystem, das die düstersten Zeiten der Geschichte überlebt hat, bleibt ohne Wenn und Aber weiterhin der Schlüssel zur langfristigen Sicherung, zum Überleben der deutschen Kultur in Rumänien. Zahlreiche deutschsprachige Studiengänge in den verschiedensten Fächern an Fachhochschulen und Universitäten ergänzen diese Kulturlandschaft und sichern gleichzeitig die zur Fortführung notwendigen Fachkräfte.
Es ist erfreulich festzustellen, dass sowohl in Rumänien als auch in Ungarn die Auffassungen, die die Förderpraxis der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg im Sinne ihrer neu definierten satzungsgemäßen Aufgaben prägen, auf breite Zustimmung und Anerkennung gestoßen sind. Das Interesse für die deutsche Sprache und Kultur, insbesondere auch durch den allgemeinen gesellschaftlich-kulturellen Beitrag und die sich neu eröffnenden europäischen Perspektiven, ist nach wie vor in allen Bevölkerungsschichten, jedoch auch bei den jeweiligen öffentlichen Stellen bzw. Regierungen ungebrochen groß. Mit Blick auf die sich öffnenden Perspektiven durch den angestrebten Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union ist sich die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg ihrer Aufgabe bewusst, um nach Kräften und im Rahmen ihrer satzungsgemäßen Ziele den Weg dieses Landes als Demokratie und Rechtsstaat nach Europa zu begleiten. In diesem Zusammenhang, so der bis vor kurzem amtierende Staatssekretär im Departement für den Schutz von Minderheiten bei der Rumänischen Regierung und stv. Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Klaus Fabritius, sieht die in Rumänien lebende deutsche Minderheit eine weitere Aufgabe ihrer Brückenfunktion in Richtung Europa.
Auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien befindet sich heute die Pflege der deutschen Sprache, Tradition und Kultur aufgrund des historischen Geschehens und der Ereignisse der letzten Jahre noch in den Anfangsschwierigkeiten einer erhofften Wiederbelebung. In Kroatien nimmt das Engagement der Deutschen zu. Die ersten Organisationsstrukturen vor allem in Osijek (Esseg) scheinen sich auch dank einer zunehmenden Unterstützung durch örtliche Behörden, jedoch auch der zuständigen Regierungsstellen, zu festigen. Der Kosovo-Krieg in Jugoslawien hatte die bescheidenen, aber mutigen Anfänge in Neusatz (Novi Sad) vorerst lahm gelegt. Die glücklicheren örtlichen Gegebenheiten haben jedoch den Deutschen in Subotica etwas mehr Spielraum zur Artikulation erlaubt. Die demokratische Wende der letzten Monate im Jahr 2000 lässt auf eine Wiederbelebung traditioneller Pflege deutscher Sprache und Kultur in den genannten Orten hoffen. Eine begleitende qualifizierte Betreuung des angestrebten Neuaufbaus sowohl für Kroatien als auch für das heutige Jugoslawien z.B. durch die Landsmannschaft der Donauschwaben und u.U. durch die dortigen deutschen diplomatischen Vertretungen wird von der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg weiterhin als angebracht betrachtet.
Die Verschiedenheit in der Entwicklung der deutschen Kultur und Tradition in den jeweiligen Fördergebieten wird von der Stiftung in ihrer Förderpolitik den örtlichen Gegebenheiten entsprechend berücksichtigt und mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen angegangen.
Die Anerkennung der Tätigkeit der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg in der Förderung und Gestaltung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und den jeweiligen Fördergebieten ergibt sich auch aus der Tatsache, dass Vertreter der Stiftung erfolgreich ihren Beitrag auch im Rahmen der Regierungszusammenarbeit leisten. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Herr Erwin Teufel, hat gegenüber seinen Gesprächspartnern aus den Fördergebieten der Stiftung mehrmals hervorgehoben, dass das Land Baden-Württemberg mit der Donauschwäbischen Kulturstiftung über ein hervorragendes Instrument zur Pflege und Fortentwicklung bilateraler Beziehungen im kulturellen Bereich verfügt. So ist die Stiftung sowohl in der Gemischten Regierungskommission Baden-Württemberg/Ungarn als auch in der sich voraussichtlich 2001 konstituierenden Gemischten Regierungskommission Baden-Württemberg/Rumänien vertreten. Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg, so Teufel, beweist, "dass man mit verhältnismäßig wenig Geld und mit professioneller Hilfe unglaublich viel bewirken kann.". Das war und bleibt ein wichtiger Grundsatz der Stiftungsarbeit. Eine flexible und unkomplizierte Förderpraxis der "Nischen", der kleineren Projekte, der Hilfe zur Selbsthilfe soll die Eigeninitiative und selbständiges Handeln aktiver Bürgerinnen und Bürger ermuntern und sowohl kleinen jedoch auch größeren Gemeinschaften zugute kommen.
Als auf Bundesebene anerkannte Förderinstitution wird die Stiftung jährlich in die Arbeit verschiedener gemischten Kulturkommissionen eingebunden und konsultiert. Sie übernimmt in der Durchführung verschiedener Maßnahmen, u.U. zusätzlich die Rolle einer Mittlerorganisation.
Im Haushaltsjahr 2000 wurden 174 Projekte mit einem Gesamtfördervolumen in Höhe von 1.026.464,68 DM abgewickelt. Die bisherige zahlenmäßige Entwicklung der Stiftung kann aus der folgenden Tabelle entnommen werden:
Überblick über die geförderten Projekte und die dafür eingesetzten Mittel zwischen 1988 - 1999 |
| Haushaltsjahr |
Zahl geförderter Projekte |
Einsatz von Mitteln (Eigen- und Fremdmittel inkl. Spenden) in DM |
| 1988-1989 |
28 |
150.000 |
| 1990 |
76 |
414.850 |
| 1991 |
118 |
432.700 |
| 1992 |
152 |
626.618 |
| 1993 |
166 |
1.256.543 |
| 1994 |
239 |
1.060.129 |
| 1995 |
280 |
977.081 |
| 1996 |
176 |
579.868 |
| 1997 |
195 |
657.370 |
| 1998 |
204 |
609.179 |
| 1999 |
136 |
576.341 |
| 2000 |
174 |
1.026.465 |
| 1988-2000 |
1.944 |
8.367.144 |
Von Anfang an hat sich die Stiftung dafür eingesetzt, zusätzlich zu den Einnahmen aus dem Stiftungskapital weitere Mittel zu beschaffen, um durch Spenden und Mittel Dritter ihre Fördermöglichkeiten im Interesse satzungsgemäßer Ziele zu erweitern. Es ist ein besonderer Erfolg der Stiftung, dass in ihrem zehnjährigen Bestehen über 50% der eingesetzten Mittel aus Spenden und Mitteln Dritter stammen.
Dank einer engagierten Tätigkeit als Mittlerorganisation für das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, erreichte 1993 und 1994 der Mitteleinsatz der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg einen Höhepunkt.
Die erfolgte Erweiterung des Förderbereichs auf Rumänien und das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien brachte jedoch ein entsprechend größeres Arbeitsvolumen mit sich, das mit gleichem Personalstand bewältigt werden musste. Um unter diesen Umständen ihren eigenen Aufgaben gerecht werden zu können, sah sich die Stiftung 1995 dazu gezwungen, ihre Arbeit stärker auf Maßnahmen, die allein aus stiftungseigenen Mitteln gefördert werden, zurückzuführen. Die Tätigkeit als Mittlerorganisation wurde in beschränktem Umfang fortgesetzt. Dies erfolgte im Interesse einer notwendigen Kontinuität bei Maßnahmen, die auf Initiative der Stiftung ins Leben gerufen bzw. über mehrere Jahre von der Stiftung betreut wurden. Somit war bereits 1995 mit Zunahme des Einsatzes zur Bewältigung neuer Stiftungsaufgaben eine deutliche Reduzierung der über die Stiftung eingesetzten Mittel Dritter zu verzeichnen. Im Haushaltsjahr 2000 wurde jedoch die Gelegenheit, u.a. Sondermittel Stabilitätspakt SOE einzusetzen, in Anspruch genommen, so dass die Eingesetzten Mittel erneut die 1 Mio. DM überschreiten konnten.
Ein weiterer Grund, der objektiv und unabhängig von der Stiftungsarbeit die Höhe eingesetzter Mittel in den letzten Jahren bestimmte, war die aus Gründen des Zeitablaufs notwendig gewordene Neuanlage des Stiftungskapitals. Diese zwischen 1995 und 1997 stufenweise erfolgte Neuanlage führte in Zeiten niedrigen Zinsniveaus dazu, dass die Einnahmen aus dem angelegten Stiftungskapital im Jahr 2000 (bezogen auf 1994) um über 75.000,00 DM geringer waren, d.h., um ca. ein Drittel der bis 1995-1996 jährlich zur Verfügung stehenden Eigenmittel. Auch so erklärt sich der ab 1996 gesunkene Mitteleinsatz zur Projektförderung.
Diese Tatsachen brachten noch stärker als bisher die Notwendigkeit einer gezielt zukunftsrelevanten, effizienten und somit prioritätenbezogenen Förderpolitik mit sich. Die geförderten Maßnahmen und eingesetzten Mittel sollen einerseits einen möglichst breiten Streueffekt erreichen, anderseits dem Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe eindeutig gerecht werden. In diesem Sinne sollen Projekte als gezielter Anstoß die wichtigsten Bereiche gesellschaftlich-kultureller Artikulation anpeilen und in absehbarer Zeit zum sog. "Selbstläufer" werden. Mit der Qualifikation einheimischer Multiplikatoren soll zudem der Einsatz wesentlich teurerer Fachkräfte aus der Bundesrepublik beschränkt werden.
Die von Jahr zu Jahr abweichende Zahl geförderter Projekte beruht auf dem sich von Jahr zu Jahr ändernden Verhältnis zwischen den geförderten Klein-, Mittel- und Großprojekten. Eine Korrelation zwischen der Höhe der eingesetzten Mittel und der Anzahl durchgeführter Maßnahmen besteht also nicht.
Die im Laufe der Jahre erworbene Erfahrung, die fundierten Ortskenntnisse, die harmonische Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium des Innern, sowie die von Anfang an gut gepflegten Beziehungen der Stiftung mit den jeweiligen Vertretungen der deutschen Minderheiten, der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Ungarn, den Demokratischen Foren der Deutschen in Rumänien, der Volksdeutschen Gemeinschaft in Kroatien, dem Deutschen Klub "Donau" Neusatz (Novi Sad) und dem Deutschen Volksverband Subotica in Jugoslawien sowie den jeweiligen Regierungsstellen in Rumänien und Ungarn waren die solide Grundlage der Stiftungsarbeit. In diesem Zusammenhang ist auch die Zusammenarbeit mit den diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland in den jeweiligen Ländern sowie mit den jeweiligen Landsmannschaften in Baden-Württemberg zu erwähnen.
Auch 2000 konnte die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg ihren Beitrag im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Städten und Landkreisen in Baden-Württemberg und Gemeinden, Städten und Kreisen vor allem in Ungarn gezielt einbringen. Diese bürgernahen, von unten breit getragenen und freundschaftlichen Beziehungen, die die Stiftung als idealen Rahmen grenzüberschreitender Zusammenarbeit betrachtet, möchte die Stiftung auch in Zu-kunft in Anspruch nehmen und stärken. In diesem Sinne spricht die Stiftung sämtlichen Landkreisen, Städten und Gemeinden, die durch ihre Partnerschaften bzw. Beziehungen zu Kreisen, Städten und Gemeinden in den Zielgebieten, die Stiftungsarbeit unterstützt haben, ihren Dank aus. Der gleiche Dank gebührt auch den Schulen, Gymnasien und Jugendorganisationen.
Es ist nicht zu leugnen, dass die beispielhaften Beziehungen und die hervorragende Zusammenarbeit mit Ungarn eben diesen "von unten" initiierten und gepflegten Kontakten im Rahmen kommunaler Partnerschaften, des Jugendaustausches und der großen Zahl von Schulpartnerschaften zu verdanken sind. Von einer derart positiven Bilanz in der Zusammenarbeit mit den anderen Ländern im Fördergebiet der Stiftung kann leider weder in Baden-Württemberg noch bundesweit die Rede sein. Die bestehenden Kontakte sind eher sporadische, spontane und sehr positiv zu bewertende Gesten einiger Privatinitiativen, jedoch noch ohne eine breite Grundlage. Rumänien z.B. als europäisches Land und als Teil europäischer Kultur ist viel zu wenig im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung präsent, trotz langjähriger deutscher Tradition und einer sehr deutlich artikulierten, ungezwungenen Neigung zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur. Das fördert die Zusammenarbeit nicht.
Daraus ergibt sich weiterhin eines der wichtigsten Anliegen der Stiftung an die jeweiligen Landsmannschaften in Baden-Württemberg. Durch die große Zahl ihrer Mitglieder, die in Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg vor Jahrzehnten eine neue Heimat gefunden haben und sich dort erfolgreich einbringen, wäre ein konkreter Anstoß und die Bereitschaft erwünscht, weitere Beziehungen zu ihren ursprünglichen Heimatgemeinden anzustreben und zu pflegen. Initiativen können nur dann den erwarteten Erfolg nachweisen, wenn sie von unten und auf breiter Ebene gewünscht und getragen werden. Auch in Zeiten sehr knapper öffentlicher Kassen haben derartige
Unternehmen durch gemeinsamen Gestaltungswillen und Eigeninitiative weit über einen symbolischen Wert ihre Chance, Früchte zu tragen. Eine anerkennende Erwähnung gebührt in diesem Zusammenhang den schon langjährigen beispielhaften Bemühungen der Ungarndeutschen und ihrer Organisation, der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Die hervorragenden Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und Ungarn sind nicht zufällig, sondern mit Sicherheit auch diesen über Jahre konsequent gewollten, engagiert angestrebten und gepflegten Beziehungen zur alten Heimat sowie den mit dem notwendigen politischen Gespür genutzten Chancen zu verdanken.
II. DIE GESCHÄFTSFÜHRUNG UND DIE TÄTIGKEIT DER STIFTUNGSORGANE
Die Geschäftsführung der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg erfolgte in den vom Land zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg. Durch das Entgegenkommen des Landes stehen der Stiftung sowohl die Räumlichkeiten als auch die Infrastruktur kostenlos und uneingeschränkt zur Verfügung. Neben der Personalhilfeleistung ist das als eine weitere Zuwendung des Landes zu betrachten. Seit 1991 werden die Geschäfte der Stiftung von Herrn Eugen Christ, M.A., dem hauptamtlichen Geschäftsführer, abgewickelt. Zur Erledigung von Schreibarbeiten wurden Schreibkräfte des Hauses der Heimat der Geschäftsführung zur Verfügung gestellt. Die qualitative und quantitative Bewältigung der Aufgaben konnte nur durch einen erhöhten Arbeitseinsatz der Geschäftsführung sowie durch hervorragende Kenntnisse und mittlerweile langjährige Erfahrungen in den Zielgebieten erfolgen.
Die Geschäftsführung hat den reibungslosen Informationsaustausch mit und zwischen den Stiftungsorganen sowie die Abstimmung und Koordination mit den verschiedenen Partnern der Stiftung in Baden-Württemberg, in der Bundesrepublik Deutschland und in den Zielgebieten erfolgreich gesichert. Die allgemeine Akzeptanz der Stiftungsarbeit liegt jedoch nicht allein an den Zielen und der professionellen Art und Weise, sie anzustreben, sondern auch in der offenen Kooperationsbereitschaft, in der Flexibilität und den kurzfristigen, prompten Entscheidungsmöglichkeiten im Dienste der "Sache".
Das heißt, möglichst viele Mittel in die Zielgebiete für möglichst viele und gezielte Projekte, mit möglichst breitem Streueffekt für alle in der Gemeinschaft lebenden Bürgerinnen und Bürger einzusetzen.
Das Jahr 2000 war das letzte Jahr der Amtszeit des Stiftungsrates, in der über 700 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von über 2.860.000,00 DM gefördert werden konnten. Der Stiftungsrat trat 2000 einmal zusammen. Mit Blick auf die Verlängerung der Legislaturperiode des Landtags von vier auf fünf Jahren stimmte der Stiftungsrat
dem Vorschlag des Vorstandes zur Satzungsänderung zu, die Amtszeit des Stiftungsrates ab 2001 an die Amtszeit der von den Landtagsfraktionen entsandten Vertreter anzupassen und von vier auf fünf Jahre zu verlängern. Die §§ 7 Nr. 2 und 9 Nr. 2 der Satzung wurden dementsprechend geändert. Die Satzungsänderung wurde durch die Stiftungsbehörde, das Innenministerium Baden-Württemberg, genehmigt. Ferner haben das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern auf die von der Satzung eingeräumte Möglichkeit, jeweils einen Vertreter in den Stiftungsrat zu entsenden, verzichtet. Die Neufassung der Satzung sowie die Liste der Stiftungsratsmitglieder sind dem Geschäftsbericht als Anlage beigefügt.
Die Tätigkeit des Vorstandes konzentrierte sich einerseits auf die bewährte Kontinuität der Förderarbeit, anderseits wurden einige neue Projekte, vor allem im Schul- und Jugendbereich, im Bereich der Medien und des deutschsprachigen Theaters erarbeitet. Auf die Ausführungen im Punkt V. "Ausblick 2001" wird diesbezüglich hingewiesen. Der Vorstand ist im Jahr 2000 zweimal zusammengetreten.
III. PROJEKTABWICKLUNG
Zur Förderung von "Eigenmaßnahmen" (Reihe I) standen der Stiftung aus Eigenmitteln (Zinseinnahmen aus dem Stiftungskapital, Spenden, Zuwendungen des Landes Baden-Württemberg) im Haushaltsjahr 2000 insgesamt 435.370,34 DM zur Verfügung. Davon wurden im Zusammenhang mit der Erweiterung des Stiftungszwecks und wegen der künftig ausschließlichen Förderung von grenzüberschreitenden Maßnahmen in den Zielgebieten durch die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg vom Land Baden-Württemberg als Zuwendung zur Projektförderung 150.000,00 DM gewährt. Aus verschiedenen Spenden wurden in diesem Rahmen insgesamt 38.500,00 DM eingesetzt. Es handelt sich dabei um zwei zweckgebundene Spenden der Firma Josef und Edith Mitterhuber Verpachtungs GbR mbH, Fellbach, zur Förderung ungarndeutscher Behinderter in Höhe von insg. 21.000,00 DM, um eine zweckgebundene Spende der Firma Heinrich Wengerter Bau GmbH, Klingenberg/Main i.H.v. 500,00 DM, zur Förderung der Teilnahme Sathmarer Jugendlicher am Wettbewerb "Jugend Musiziert", um zwei zweckgebundene Spenden der Landesbank Baden-Württemberg i.H.v. insg. 5.000,00 DM zur Förderung der Teilnahme von Jugendlichen an zwei Europa-Bildungsmaßnahmen des Informationsbüros des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel, um eine zweckgebundene Spende von Herrn Georg Richter aus Ulm i.H.v. 2.000,00 DM zur Förderung der Bildungsarbeit des Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baje/Baja (Ungarn) und um eine zweckgebundene Spende des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Herrn Erwin Teufel, MdL, aus dem Allgemeinen Verfügungsfond der Landesregierung i.H.v. 10.000,00 DM zur Förderung eines einjährigen Stipendiums für eine(n) Schüler(in) aus dem Banat (Rumänien) an einem Gymnasium in Baden-Württemberg.
Die Resonanz des Stipendienprogramms der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg für Schüler/-innen rumäniendeutscher Lyzeen an Gymnasien in Baden-Württemberg wird in der Bereitschaft der Robert Bosch Stiftung GmbH, Stuttgart, deutlich, nach der Förderung von drei Jahresstipendien für Schüler rumäniendeutscher Lyzeen im Schuljahr 1998/1999 das Programm ab Schuljahr 1999/2000 für weitere drei Jahre auf jährlich zehn Stipendien zu erweitern (Reihe IV). Die Gesamtförderung beträgt pro Schuljahr 127.000,00 DM.
Im Rahmen des Programms zur Unterstützung der deutschen Minderheit in Ungarn und in Rumänien wurden der Stiftung vom Auswärtigen Amt (Reihe II.15 und II.16) im Haushaltsjahr 2000 Mittel i.H.v. insg. 100.000,00 DM zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden über das Auswärtige Amt aus Sondermitteln des Stabilitätspaktes für Südosteruropa i.H.v. insgesamt 252.948,00 DM eingesetzt (Reihe II.17). Durch die seit mehreren Jahren praktizierte Abstimmung der Förderarbeit und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart konnten aus Mitteln des Institutes für Auslandsbeziehungen (Reihe II.17) weitere Maßnahmen in Ungarn und Rumänien mit einem Förderbetrag i.H.v. insg. 67.727,40 DM gefördert werden. Aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern (Reihe III) wurden zur Förderung der deutschen Minderheit in Ungarn insg. 30.000,00 DM eingesetzt. Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg übernahm insoweit die Aufgabe einer Mittlerorganisation. Der Vorstand spricht den Spendern und den genannten Institutionen für ihre großzügige Unterstützung einen herzlichen Dank aus.
Die Beurteilung und die Förderung der Maßnahmen erfolgten entsprechend dem vom Stiftungsrat verabschiedeten Wirtschaftsplan für die Länder Ungarn, Rumänien und das ehemalige Jugoslawien unter Berücksichtigung gleicher Kriterien für sämtliche Antragsteller. Die Förderung war weiterhin projektgebunden und erfolgte aufgrund von Einzelanträgen. Die Entscheidung über die Förderung liegt satzungsgemäß allein beim Vorstand.
Die Projekte, die im einzelnen aus dem Jahresabschluss zu entnehmen sind und aus Eigenmitteln (Reihe I) gefördert wurden, lassen sich in folgende Gruppen (Titel) einteilen:
- Überörtliche, bedeutsame Kulturveranstaltungen,
- Reisen von Schul- und Kulturgruppen nach Baden-Württemberg bzw. Reisen baden-württembergischer Schul- und Kulturgruppen zu ihren Partnern nach Ungarn, Rumänien und ins ehemalige Jugoslawien,
- Unterstützung deutscher Kulturvereine,
- Sprachförderungsmaßnahmen
- Förderung der Medien,
- Förderung von wissenschaftlichen Projekten,
- Förderung künstlerischer Projekte,
- allgemeine Jugendförderung,
- Förderung der Jugendmusikarbeit,
- sonstige Projekte.
(...)
Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg vergibt seit 1994 Stipendien für Schüler/innen ungarndeutscher Gymnasien. 1997 wurde das Stipendienprogramm auch auf rumäniendeutsche Lyzeen erweitert.
Die Stipendiaten/innen besuchen die 10. Klasse grundsätzlich im jeweiligen baden-württembergischen Partnergymnasium und leben während dieser Zeit in hiesigen Gastfamilien. Der erfolgreiche Abschluss des Schuljahres wird den Schülern/innen in Deutschland als Mittlere Reife zuerkannt.
Eine erste Maßnahme war 1994 mit zwei Stipendiaten vorausgegangen. Sie wurde mit so gutem Erfolg abgeschlossen, dass sie fortentwickelt und im Schuljahr 1998/1999 dank der Unterstützung durch die Robert Bosch Stiftung GmbH, der Landeskreditbank Baden-Württemberg - Förderbank - und einiger Privatspenden auf insgesamt 15 Stipendiaten/innen erweitert wurde. Im Schuljahr 1999/2000 konnten 18 Stipendien im Schuljahr 2000/2001 19 Stipendien vergeben werden. Bis zum Schuljahr 2001/2002 werden es durch die weitere großzügige Unterstützung der Robert Bosch Stiftung GmbH (Reihe IV), des Auswärtigen Amtes (Reihe II) und der Landesregierung voraussichtlich 22 sein. Die Aufnahme von Schülern/innen aus Kroatien und Jugoslawien in das Stipendienprogramm im Schuljahr 2001/2002 ist erklärtes Ziel der Stiftung.
Das Fördervolumen umfasst pro Stipendiat/in im Durchschnitt 11.300 DM im Schuljahr. Finanziert werden für jede/n Stipendaten/-in eine Hin- und Rückreise im Schuljahr, Versicherungen (Krankheit, Schulweg usw.) sowie Unterkunft und Verpflegung in den Gastfamilien. Außerdem erhält jede/r Schüler/in ein kleines Taschengeld pro Tag für schulbedingte Ausgaben.
Darüber hinaus ist die Stiftung bereit, auf Antrag Freizeitmaßnahmen am Wochenende bzw. in den Ferien zu fördern (z.B. Klassenfahrten, Workshops, Sport im Verein, Besuch der Volkshochschule, Jugendfreizeitmaßnahmen usw.).
Das Auswahlverfahren für die Stipendiaten/innen wird in Ungarn vom ungarischen Ministerium für Kultur und Unterricht unter Beteiligung von Vertretern aller in Frage kommenden Gymnasien festgelegt. In Rumänien erfolgt die Auswahl durch die jew. Lyzeen in Zusammenarbeit mit den Demokratischen Foren der Deutschen und ggf. mit dem örtlichen deutschen Gastlehrer. Die zuständige örtliche Schulbehörde, das Departement für den Schutz von Minderheiten sowie das rumänische Ministerium für nationale Erziehung werden darüber informiert.
Am Programm konnten grundsätzlich sämtliche Nationalitätengymnasien bzw. Lyzeen mit Unterrichtssprache Deutsch teilnehmen. Entscheidend für die Auswahl ist letztlich die Leistung der Schüler/innen.
Betreut und durchgeführt wird das ganze Stipendienprogramm von der DJO - Deutsche Jugend in Europa, einem überparteilichen und überkonfessionellen Jugendverband, der vor allem im jugendpflegerischen, kulturellen und bildungspolitischen Bereich tätig ist. Der zuständige Betreuer der DJO steht bei auftretenden Schwierigkeiten für alle Beteiligten als persönlicher Ansprechpartner und Berater zur Verfügung.
An dieser Stelle dankt die Stiftung der DJO und ihren Mitarbeitern/innen für die besonders engagierte und qualifizierte Betreuung der Maßnahme.
Die Schüler/innen leben während ihres Aufenthalts in deutschen Familien. Die Gastfamilie nimmt den/die Schüler/in wie ein Familienmitglied auf und erwartet eine aktive Teilnahme am Familienleben. Die tägliche Auseinandersetzung mit einer anderen Gesellschaft und Kultur soll die Entwicklung der Persönlichkeit sowie die sozialen und sprachlichen Fähigkeiten der jungen Menschen fördern. Der Vorstand und die Geschäftsführung weisen mit großer Anerkennung auf das außerordentliche Engagement der deutschen Gasteltern hin. Deren Leistung für das Programm soll besonders gewürdigt werden. Ein besonderer Dank ist aber auch den aufnehmenden Schulen und den betreuenden Lehrkräften auszusprechen.
Im Kontext des europäischen Einigungsprozesses sind Vorstand und Geschäftsführung der Donauschwäbischen Kulturstiftung der Meinung, dass es eine zusätzliche Aufgabe dieser jungen Leute ist, für Ihre Schule, für ihre Heimatregion und für ihr Land zu werben. Sie sind die "Botschafter" Ihrer Schulen bzw. der Kultur ihrer jewei-
ligen Länder in Deutschland. Zusätzliche gesellschaftliche und politische Bildungsmaßnahmen sollten darüber hinaus den Horizont der jungen Leute erweitern und ihr kritisches Bewusstsein stärken. In diesem Zusammenhang wurden über den eigentlichen Schulbesuch hinaus drei Treffen im Schuljahr fest eingeplant. Sinn dieser Treffen soll nicht nur das gegenseitige Kennenlernen der Stipendiaten/-innen, der Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen sein, sondern auch eine gezielte Vermittlung deutscher Kultur, gesellschaftspolitischer Bildungsinhalte und europäischer Werte. Das Stipendienprogramm im Schuljahr 1999/2000 konnte darüber hinaus durch einen gemeinsamen Besuch der EXPO-2000 in Hannover ergänzt werden.
Nach Abschluss der Maßnahme kann bei den Stipendiaten/-innen eine nicht zu übersehende Erweiterung ihres Horizontes sowie eine deutliche Entwicklung ihrer Persönlichkeit festgestellt werden. Der kulturelle und gesellschaftspolitische Bildungsaspekt der Maßnahme ist dadurch eindeutig bestätigt worden.
Aus Eigenmitteln wurden 8 Stipendien für Schüler/Innen ungarndeutscher Nationalitätengymnasien gewährt. Ein Stipendium für eine Schülerin aus Rumänien wurde im Haushaltsjahr 2000 aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.
(...)
In Zusammenarbeit mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, dem Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart und dem rumänischen Kulturministerium wurde Ende September 2000 in Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) ein Treffen deutschsprachiger Minderheitenbühnen mit großem Erfolg durchgeführt. Unter den Teilnehmern waren neben den deutschsprachigen Theatern in Temeswar/Timisoara und Hermannstadt/Sibiu (Rumänien) auch die "Deutsche Bühne Ungarn" Szekszárd, das Russlanddeutsche Theater Niederstetten, die Freie Bühne Bozen/Bolzano (Südtirol) dabei. Mit Förderung des rumänischen Kulturministeriums wurde die Veranstaltung durch Sondervorstellungen des Rumänischen Nationaltheaters und des Ungarischen Staatstheaters Klausenburg/Cluj-Napoca sowie des Jüdischen Theaters Bukarest/Bucuresti im Geiste eines multikulturellen, friedlichen Miteinanders umrahmt. An dieser Stelle ist dem Rumänischen Nationaltheater und dem
Ungarischen Staatstheater Klausenburg für die kostenlose Inanspruchnahme und Zuarbeit ihrer jeweiligen Häuser ausdrücklich zu danken. Die Maßnahme wurde von einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema "Theater und Politik. Deutschsprachiges Minderheitentheater in Südosteuropa im 20. Jahrhundert" begleitet. An der Tagung nahmen Wissenschaftler und Fachleute aus Rumänien, Ungarn, Italien, Kroatien, der Bundesrepublik Deutschland und Kanada teil. Die Resonanz der Maßnahme widerspiegelt sich auch in den an die Stiftung gerichteten Dankschreiben des damaligen rumänischen Kulturministers, Herrn Ion Caramitru, und des damaligen rumänischen Unterrichtsministers und Rektors der multikulturellen Babes-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca, Herrn Prof. Dr. Andrei Marga. Beide sprechen ihre Hoffnung aus, dass das Theatertreffen auch in den nächsten Jahren fortgesetzt wird. Als mögliche Veranstalter haben bis dato die deutschsprachigen Theater in Hermannstadt/Sibiu und Temeswar/Timisoara (Rumänien), die "Deutsche Bühne Ungarn" in Szekszárd (Ungarn) und die Deutsche Volksgemeinschaft Esseg/Osijek (Kroatien) ihre "Kandidatur" der Stiftung gemeldet.
Im Rahmen der Sitzungen der Gemischten Regierungskommission Baden-Württemberg/Ungarn in Budapest im April 1998 und in Stuttgart Ende Mai 2000 wurden die Weichen für das gemeinsame Veranstaltungsprogramm Baden-Württemberg/Ungarn aus Anlass der Millenniumfeier Ungarns im Jahre 2000 gestellt. In diesem feierlichen Rahmen wurde auf Initiative und mit Förderung der Stiftung in einer beispielhaften Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart, dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, der Diakonie Stetten, Kernen im Remstal, dem ungarischen Ministerium für Unterricht, dem Germanistischen Institut der Budapester Universität ELTE und dem Behindertenheim für Kinder in Bohl/Boly (Ungarn) das Projekt "Märchen als interaktives-interkulturelles Medium" durchgeführt. Als erster Teil der Maßnahme fand in Budapest zwischen dem 21.-24.06.2000 eine wissenschaftliche Tagung "Phantasiewelten, Mythen, Visionen; Deutsch-Ungarische Literaturbeziehungen von 1800 bis heute" mit Teilnahme von Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik und Ungarn statt. Der zweite Teil wurde im Anschluss an die Tagung in der Stadt Bohl/Boly in Form eines einwöchigen Theaterworkshops durchgeführt. Am Theaterworkshop, der als Zentralthema ebenfalls die Märchenwelt hatte, nahmen unter der Leitung von Theaterpädagogen Jugendliche aus Baden-Württemberg und Ungarn teil. Als besonders wichtig wird die Teilnahme jugendlicher Behinderter sowohl aus Baden-Württemberg als auch aus Ungarn betrachtet, die unter Anleitung des Fachpersonals in sämtliche Aktivitäten einbezogen wurden. In diesem Sinne wird ausdrücklicher Dank und volle Anerkennung an die Diakonie Stetten und das Behindertenheim Bohl/Boly, persönlich Herrn Karl-Heinz Klein, Wohnbereichsleiter bei der Diakonie Stetten, und Frau Varga Lászlóné, Leiterin der Anstalt in Bohl/Boly, ausgesprochen.
Als Gäste traten in Bohl/Boly die deutschsprachige Laientheatergruppe "NIL" des Nikolaus-Lenau-Lyzeums Temeswar/Timisoara (Rumänien) und die deutschsprachige Thetaergruppe des Abschlussjahrgangs 1999 des Lehrstuhls für Deutsch der Pädagogischen Hochschule Esztergom (Ungarn) unter Leitung der ehemaligen baden-württembergischen Gastdozentin, Frau Brunhilde Fischbach, auf.
Durch die Mitförderung der Donauschwäbsichen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg konnten auch die Auftritte der Esztergomer Gruppe im Pavillon des Wasserweltengeländes der EXPO-2000 in Hannover mit dem Schattenspiel "Das Goldene Wasser" verwirklicht werden. Ferner wurde ein gemeinsames Konzert der Philharmonien Aalen und der ungarischen Partnerstadt Tatabánya gefördert.
Ein weiteres Großprojekt der Stiftung im Rahmen des Veranstaltungsprogramms Baden-Württemberg/Ungarn aus Anlass der Millenniumsferier Ungarns ist die Herausgabe eines Kunstalbums über das Lebenswerk des bekannten ungarndeutschen Malers Josef Bartl im Verlag der Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V., Stuttgart, der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und des Verbandes ungarndeutscher Autoren und Künstler, Budapest.
(...)
Seit 1992 bezieht die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg in ihre Fördermaßnahmen auch behinderte Jugendliche ein und fördert Einrichtungen, in denen ungarndeutsche Behinderte leben und im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen die ungarndeutsche Tradition pflegen. Die fachliche Betreuung der durchgeführten Maßnahmen liegt bei der Diakonie Stetten e.V., Kernen im Remstal, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere Herrn Karl-Heinz Klein, Wohnbereichsleiter, die Stiftung für ihren selbstlosen Einsatz und die fachliche Kompetenz an dieser Stelle erneut einen Dank aussprechen möchte. Im Rahmen eines besonders reichen, fruchtbaren Austausches und einer fachlich betreuten Umstellung der Arbeit wurden die Behinderteneinrichtungen in Fünfkirchen/Pécs und Bohl/Boly zu Mustereinrichtungen in Ungarn und erreichten mittlerweile einen europäischen Standard. Es ist eine sehr erfreuliche Tatsache, wie diese Einrichtungen heute verstehen, die deutsche Sprache und Kultur sowie die traditionelle ungarndeutsche Volkskunst, das traditionsreiche Handwerk weiterzupflegen und gezielt in ihrem Arbeitskonzept einzusetzen. Ein derartiger Erfolg in der Umsetzung der Vorhaben wäre jedoch ohne die großzügig angesetzte finanzielle Unterstützung der Maßnahmen durch die Firma Josef und Edith Mitterhuber Verpachtungs GbR mbH Fellbach, die seit 1992 über 300.000 DM zu diesem Zweck gespendet hat, nicht denkbar. Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg spricht an dieser Stelle Frau und Herrn Mitterhuber erneut einen herzlichen Dank aus.
Es ist vielleicht angebracht zu erwähnen, dass die 1992 begonnene Förderung der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg in Bohl/Boly im Laufe der Jahre auch zur Gründung eines Förderkreises für die dort ansässige Behinderteneinrichtung für Jugendliche geführt hat, in dem Einrichtungen und Privatpersonen aus der Bundesrepublik, Österreich und Holland ein Stück beispielhafte europäische Zusammenarbeit verwirklicht haben.
Aus Mitteln des Auswärtigen Amtes standen im Haushaltsjahr 2000 zur Förderung der deutschen Minderheit in Ungarn 60.000,00 DM (Reihe II.15/00) und in Rumänien weitere 40.000,00 DM (Reihe II.16/00) zur Verfügung. Neben der jährlichen Kulturreise der Gewinner des Ungarndeutschen Literatur- und Sprachwettbewerbs nach Baden-Württemberg und der Organisation ungarndeutscher Sprachferienlager wurde in Ungarn aus den zur Verfügung stehenden Mitteln schwerpunktmäßig die auf Initiative der Stiftung zurückzuführende deutschsprachige Laientheaterbewegung an Nationalitätenschulen und -gymnasien gefördert: Organisation der Grundschultheatertage und Gymnasialtheatertage, Auftritte und Ausstattung der Laientheatergruppen, Auftritte der besten Laientheatergruppen auf der Bühne des deutschsprachigen Theaters in Szekszárd, sowie die Teilnahme von Jugendlichen und Schülern an den Auftritten der "Deutschen Bühne Ungarn".
Im Haushaltsjahr 2000 wurden zum ersten Mal über die Donauschwäbische Kulturstiftung aus Mitteln des Auswärtigen Amtes Maßnahmen in Rumänien gefördert. Aus den zur Verfügung stehenden Mitteln konnten u.a. ein einjähriges Stipendium an einem Gymnasium in Baden-Württemberg (s. Stipendienprogramm), die Rumäniendeutschen Literaturtage in Reschitz/Resita und die deutschsprachige Laientheaterbewegung an rumäniendeutschen Schulen gefördert werden.
Ferner standen im Jahr 2000 Sondermittel des Auswärtigen Amtes im Rahmen des Stabilitätspaktes Südosteuropa i.H.v insgesamt 252.948,00 DM zur Verfügung (Reihe II.17/00). So konnte im Haushaltsjahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Journalisten-Akademie, Bildungsverein des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Baden-Württemberg e.V., vom 09. Juli - 05. August 2000 in Stuttgart ein Aufbauseminar für angehende und Jungjournalisten aus Rumänien, Kroatien und Jugoslawien durchgeführt werden. Einzelheiten über die Durchführung der Maßnahme können aus der Anlage entnommen werden. Ferner wurden u.a. die Teilnahme von Jugendlichen aus Rumänien und Kroatien an einem einwöchigen Europa-Workshop des Informationsbüros des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel sowie eine Jugendtheaterbegegnung Ende Oktober in Temeswar/Timisoara (Rumänien) mit Teilnahme deutschsprachiger Laientheatergruppen aus Rumänien, Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland unter Einbeziehung von jugendlichen Gästen aus Bulgarien, Jugoslawien und Kroatien gefördert. An dieser Stelle ist dem dortigen Deutschen Staatstheater und dem Nikolaus-Lenau-Lyzeum für die kostenlose Inanspruchnahme ihrer Einrichtungen sowie sämtlichen Organisatoren und Teilnehmern für ihr selbstloses Engagement, ihre Einsatzfreude und die hervorragende Mitwirkung zu danken.
Durch das Engagement der Stadt Backnang und ihrer Partnerstädte in Rumänien, Jugoslawien, Kroatien, Ungarn und Frankreich konnte eine Jugendbegegnung bildungspolitischen Charakters mit Teilnahme von über 80 Jugendlichen aus den o.g. Partnerstädten in Borsec (Rumänien) organisiert und durchgeführt werden.
Aus Mitteln des Institutes für Auslandsbeziehungen Stuttgart (Reihe II.18/00) i.H.v. insgesamt 67.727,40 DM konnten in Ungarn und Rumänien weitere Maßnahmen im Jugendbereich gefördert werden. Es handelt sich u.a. um die Förderung eines Jugendtheaterworkshops in Bohl/Boly (Ungarn), einer Theatertournee der Theater-AG des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums Stuttgart nach Ungarn, einer Tournee der Big-Band des Ellental-Gymnasiums Bietigheim-Bissingen nach Rumänien, eines Jugendaustausches des deutschen Lyzeums Sathmar (Rumänien) mit dem Wentzinger-Gymnasium Freiburg, um die Teilnahme Sathmarer Jugendlicher am Jugendkamp des Deutschen Gewerkschaftsbundes Baden-Württemberg in Markelfingen am Bodensee, sowie um die Förderung eines Journalistikseminars für Redakteure deutschsprachiger Schülerzeitschriften in Reschitz/Resita (Rumänien).
Aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern (Reihe III) wurde 2000 die Förderung der Gehälter der Regionalbüroleiter/-innen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sowie des Geschäftsführers der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher fortgesetzt. Insgesamt wurden dafür 30.000,00 DM eingesetzt.
Aus Mitteln der Robert-Bosch-Stiftung GmbH Stuttgart (Reihe IV) standen im Haushaltsjahr 2000 zur Förderung von zehn Stipendien für Schüler/innen rumäniendeutscher Lyzeen an Gymnasien in Baden-Württemberg (s. Stipendienprogramm) insgesamt 127.000,00 DM zur Verfügung.
Der Vorstand spricht den o.g. Förderinstitutionen für ihre großzügige Unterstützung seinen Dank aus. Die große Resonanz und die Begeisterung, mit der insbesondere die jungen Leute mitgewirkt haben, bestätigen die bisherigen Bemühungen und sprechen für ihre Fortsetzung.
IV. WIRTSCHAFTLICHE VERHÄLTNISSE DER STIFTUNG
Die Bilanz 2000 der Stiftung sowie die Gewinn- und Verlustrechnung 2000 sind als Anlage beigefügt.
Seit der am 1. Januar 1995 erfolgten Erweiterung des Tätigkeitsbereichs der Stiftung werden dem Stiftungskapital alljährlich 50.000,00 DM zugeführt. Ende 2000 betrug das Stiftungskapital 4.300.000,00 DM. Zusätzlich zu den aus dem Stiftungskapital erwirtschafteten Zinsen werden jährlich 150.000,00 DM vom Land Baden-Württemberg aufgebracht und der Stiftung zur Projektförderung zur Verfügung gestellt. Diese Art der Aufstockung des Stiftungskapitals und der Zuschussgewährung soll solange fortgesetzt werden, bis die Erträge des aufgestockten Stiftungskapitals ausreichen, um die Aufgaben in den neuen Gebieten ausreichend finanzieren zu können.
Die Erträge aus dem angelegten Stiftungskapital betrugen im Haushaltsjahr 2000 242.762,13 DM. Dadurch, dass die anfallenden Zinsen eines Haushaltsjahres teils das Vorjahr betreffen und als Mittel für das laufende Haushaltsjahr im Folgejahr anfallen, musste die Stiftung zur Sicherung der Liquidität eine Überziehungslinie in Höhe von 100.000 DM in Anspruch nehmen. Eine derartige Maßnahme war in den Vorjahren nicht notwendig, weil der Stiftung ca. 83.000,00 DM mehr an Zinseinnahmen (Eigenmittel) zur Verfügung standen bzw. weil bestimmte Projekte ein viel längeres Zahlungsziel hatten. Die nur in geringem Umfang vorhandenen flüssigen Mittel sowie der sofortige Einsatz von bewilligten Mitteln durch die Zuwendungsempfänger, in der Regel Jugendorganisationen und Kulturvereine, denen Eigenmittel nur in geringem Umfang zur Verfügung stehen, machten ein derartiges Vorgehen notwendig. Die Kosten des Überziehungskredits betrugen 2000 1.120,63 DM. Die im Haushaltsjahr 2000 eingegangenen Spenden betrugen 38.500,00 DM. Aus den Vorjahren standen der Stiftung Restmittel in Höhe von 28.617,99 DM zur Verfügung. Des Weiteren sind im Jahr 2000 4.108,21 DM aus Erstattungen bzw. stornierten Projekten zugeflossen.
Die Einnahmen im Haushaltsjahr 2000 betrugen insgesamt 1.018.226,26 DM. Für Projektförderung wurden 2000 aus Eigenmitteln (Reihe I) 427.284,19 DM eingesetzt. Hierzu kommen die Mittel des Auswärtigen Amtes (Reihe II 15, 16, 17) in Höhe von insgesamt 352.948,00 DM (davon 252.948,00 DM aus den Sondermitteln Stabilitätspakt Südosteuropa), 67.727,40 DM zur Projektförderung aus Mitteln des Institutes für Auslandsbeziehungen Stuttgart (Reihe II 18), 30.000,00 DM aus Mittel des Bundesministeriums des Innern (Reihe III). Zur Förderung des Stipendienprogramms stellte die Robert Bosch Stiftung GmbH Mittel i.H.v. 127.000,00 DM zur Verfügung. Die Ausgaben im Haushaltsjahr 2000 betrugen insgesamt 1.054.324,23 DM mit einem Jahresfehlbetrag i.H.v. 36.097,97 DM, der durch Restmittel aus den Vorjahren teilweise gedeckt werden konnte. Das Defizit beruht auf Auszahlungen für Stipendien (s. Projekt I.04.01/00) Mitte Dezember 2000, die überwiegend das Jahr 2001 betrafen.
Für die Geschäftsführung wurden 2000 15.291,05 DM ausgegeben. Auf die Personalgestellung und Sachmittelzuwendung durch das Land Baden-Württemberg wurde oben bereits hingewiesen.
V. AUSBLICK 2001
Durch die notwendige Neuanlage des Stiftungskapitales sind - wie erwähnt - in Folge der Zinslage am Kapitalmarkt die Einnahmen der Stiftung gesunken. Die voraussichtlichen Einnahmen in Höhe von ca. 245.000,00 DM sind im Vergleich zum Jahr 1994 um über 83.000,00 DM gesunken. Darüber hinaus müssen auch Einschränkungen der Projektförderung durch das Auswärtige Amt berücksichtigt werden. So müssen bei Projekten, die bisher aus Bundesmitteln gefördert wurden, Eigenmittel eingesetzt werden. Das geschieht im Interesse der Weiterführung von Maßnahmen, die durch die Stiftung initiiert, schon lange betreut wurden und weiter betreut werden sollten.
In diesem Zusammenhang sieht sich der Vorstand der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg dazu gezwungen, in der Förderpraxis Prioritäten zu setzen. Seit etlichen Jahren ist die Tradition der Deutschen in den genannten Gebieten durch die Stiftung intensiv und gezielt gefördert worden. Wie bereits erwähnt, hat das Vereinswesen vor allem in Ungarn und Rumänien einen relativ zufriedenstellenden Stand erreicht. Durch die positiven politischen Änderungen der letzten Zeit in Kroatien und in Jugoslawien sollten nun nach einer realistischen Beurteilung vorhandener Strukturen und Möglichkeiten gezielt die Organisationen und das Vereinswesen der Deutschen in diesen Ländern gefördert werden.
Ohne die Tradition, die unterschiedlichen Situationen und Prioritäten in den Fördergebieten zu vernachlässigen, soll sich die Förderung wegen der nur in beschränktem Umfang zur Verfügung stehenden Mittel in erster Reihe zukunftsprägenden Maßnahmen, dem Jugendbereich, schwerpunktmäßig grenzüberschreitenden Begegnungsmaßnahmen und der zeitgenössischen Kultur widmen. Es sollen Maßnahmen bevorzugt werden, die mit geringen Mitteln einen möglichst großen Personenkreis erreichen. In diesem Sinne wird die Förderpolitik der Stiftung auch 2001 fortgesetzt und die von den bisherigen Erfahrungen bestätigte Notwendigkeit der Kontinuität in der Projektförderung gesichert.
Die Förderung von Maßnahmen über die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Budapest wird nach den getroffenen Absprachen mit der Landesselbstverwaltung in erhöhtem Umfang und mit verstärkter Eigenverantwortung fortgesetzt. Im Jahr 2001 soll weiterhin schwerpunktmäßig die Gründung von Fördervereinen für ungarndeutsche Nationalitätenkindergärten, -schulen und -gymnasien angegangen werden. Um einen gezielten Einsatz der Mittel zu gewährleisten, werden auch 2001 die Förderung von Jugendmaßnahmen, von Ferien-, Sprach- oder Leselagern in Ungarn, religiöser Veranstaltungen der Ungarndeutschen und des deutschsprachigen Theaters in Ungarn ausschließlich über die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen fortgesetzt. Die bisherige Zusammenarbeit zeigt, dass die Landesselbstverwaltung und ihre Organe Voraussetzungen hierfür geschaffen haben.
Ferner soll die deutschsprachige Laientheaterbewegung an ungarndeutschen Schulen und Gymnasien weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Budapester Ungarndeutschen Schulverein gefördert werden. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird weiterhin die Entwicklung der deutschsprachigen Laientheaterbewegung an rumäniendeutschen Schulen verfolgt und entsprechend gefördert. Ferner wird die Arbeit des Deutschen Staatstheaters und der deutschsprachigen Hochschule für Schauspielkunst in Temeswar/Timisoara sowie die der deutschsprachigen Abteilung des Radu-Stanca-Theaters in Hermannstadt/Sibiu unterstützt. Im Jahr 2001 soll mit finanzieller Hilfe der Stiftung wahrscheinlich in Temeswar/Timisoara das 2. Theatertreffen deutschsprachiger Minderheitenbühnen mit einem begleitenden Symposium zum Thema deutschsprachiges Minderheitentheater durchgeführt werden. Die Resonanz des ersten Treffens in Klausenburg/Cluj-Napoca bestätigt die Absicht, diese Maßnahme auch in den Folgejahren fortzusetzen.
Das erfolgreiche Stipendienprogramm für ungarndeutsche und rumäniendeutsche Spitzenschüler/-innen an Gymnasien in Baden-Württemberg wird im Schuljahr 2001/2002 weitergeführt. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Stipendiaten/-innen sich hervorragend in das hiesige Schul- und Familienleben einfügen. Im Unterricht erzielen sie auf ihrem Weg zur Mittleren Reife beste Ergebnisse und integrieren sich problemlos. Das spricht auch für die Qualität der Arbeit in ihren Heimatschulen. Die bestehenden freundschaftlichen Kontakte zwischen den Familien der Stipendiaten/innen und der Gastfamilien, bereits langjährige Freundschaften zwischen ehemaligen Stipendiaten/innen und ehemaligen Kollegen/innen aus Baden-Württemberg bestätigen den Sinn derartiger Maßnahmen.
Die Förderung der deutschsprachigen Medien und der europäischen Medienkultur wird weiterhin in der Fördertätigkeit der Stiftung einen wichtigen Platz einnehmen. Die erfolgreiche Anfang in der Ausbildung junger deutschsprachiger Journalisten in Rumänien, Kroatien und Jugoslawien soll 2001 seine Fortsetzung finden. Ferner werden Maßnahmen im Bereich Schülerzeitschriften, zur Fortbildung der Schülerzeitschriftenredakteure und der betreuenden Lehrer/innen weiterhin gefördert. Die gesellschaftspolitische Bildung junger, engagierter Leute bleibt feste und dringend notwendige Komponente der Förderpolitik der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Lan-
des Baden-Württemberg. In diesem Sinne soll die Teilnahme von Jugendlichen an dem Europa-Workshop des Informationsbüros des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel fortgesetzt werden. Die Hospitationen von Jugendlichen im Informationsbüro des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel werden durch Hospitationen im Rumänischen Verbindungsbüro der Landeskreditbank, Förderbank, in Stuttgart erweitert.
Die Tätigkeit der Stiftung im ehemaligen Jugoslawien wird - wie erwähnt - durch die fehlende Infrastruktur sowie die fehlenden Sprachkenntnisse erschwert. Darum wird sich die Tätigkeit der Stiftung in der nächsten Zeit vorerst auf Organisationshilfen konzentrieren. Dies kann - bezogen auf die satzungsgemäßen Ziele der Stiftung - für eine Übergangszeit erfolgen. Sollten sich in Zukunft aufgrund der politischen Entwicklung neue Anhaltspunkte ergeben, wird die Stiftung diese verfolgen.
VI. SCHLUSSWORT
Der Vorstand der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg bedankt sich an dieser Stelle bei den Mitgliedern des Stiftungsrates. Der Dank gilt besonders dem Vorsitzenden des Stifungsrates, Herrn Staatssekretär Willi Stächele, MdL, sowie den Mitgliedern der Landesregierung und des Landtags von Baden-Württemberg für die Unterstützung und konstruktive Zusammenarbeit. Ein ausdrücklicher Dank gebührt auch den jeweiligen Landsmannschaften, zahlreichen Landes- und Bundesinstitutionen, dem Bundesministerium des Innern und dem Auswärtigen Amt, sämtlichen Partnern in Ungarn, Rumänien und im ehemaligen Jugoslawien sowie den jeweiligen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland in den genannten Ländern, die die Arbeit der Stiftung unterstützt haben. Dank und Anerkennung des Vorstandes für die besonders innovative und engagierte Arbeit auch im Umfeld zurückgehender Mittel gebührt dem Geschäftsführer der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg, Herrn Eugen Christ, M.A., sowie den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg.
Stuttgart, 05. März 2001
Der Vorstand
Dr. Steger; Beerstecher; Hellstern
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